Zwei Tage IPM Essen – Zwischen Jungpflanzen, Jutebeuteln und Jobangeboten

Pflanzen in Bestform, Gespräche auf Augenhöhe und überraschend konkrete Perspektiven: Zwei Tage auf der IPM Essen zeigen, warum sich für angehende MeisterInnen und TechnikerInnen der Blick über den eigenen Betrieb hinaus lohnt.

Allen Gärtnerinnen und Gärtnern ist sie ein Begriff – die IPM, kurz für Internationale Pflanzenmesse. Obwohl sie jeden Januar in Essen stattfindet, bleibt die Messe für viele junge GärtnerInnen selbst nach Eintritt ins Berufsleben etwas, worunter man sich nicht allzu viel vorstellen kann. Laut Website der Veranstaltenden “präsentieren Aussteller aus aller Welt ihre innovativen Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Pflanzen, Technik, Floristik und Ausstattung. Keine andere Messe bietet so viel Pflanzenvielfalt und so viele Pflanzenneuheiten.“

Schön und gut. Trotzdem etwas abstrakt, oder?

Spätestens mit dem Besuch der Meister- und Technikerschule in Veitshöchheim haben die Studierenden endlich die Chance, sich ein eigenes Bild zu machen – dank Klassenverband sogar mit quasi gesponsertem Eintritt (read: kostenlos). Und mit diesem Blogbeitrag möchte ich meine Erfahrungen und Eindrücke als Zierpflanzengärtner auf der IPM 2026 teilen.

Am Donnerstag, dem 29.01., geht es für die beiden Gartenbau-Jahrgänge G1 und G2 früh um 7 Uhr mit dem Reisebus los. Nach etwa fünf Stunden Fahrt betreten wir über den Eingang Süd das Messegelände. Erstmal totale Reizüberflutung: Halle 1 begrüßt uns mit knallbunten Zwiebelblühern – schönste Tulpen, Narzissen, Rittersterne…. ist das da drüben ein mit Chilischoten beklebter Vulkan? Ja, so sieht’s aus. Kein Stand hat an kreativen Eyecatchern gespart und wo man hinschaut, strahlen Pflanzen in Bestform, es liegen dicke Sortimentskataloge aus und VertreterInnen bieten Getränke und Snacks an. Zum Glück gehen wir erstmal zur Halle 4, um am Stand der LWG – natürlich – den Wein abzugeben. So können wir kurz durchatmen und uns in kleinere Gruppen aufspalten.

Folgende Dinge haben wir uns fest vorgenommen: Informationen für die Meisterarbeit sammeln, alte Kontakte pflegen, nach Praktikumsplätzen fragen und natürlich schöne Pflanzen anschauen. Wir hypen uns kurz auf, weil wir uns nicht ganz trauen, auf die gut angezogenen Leute zuzugehen, und dann geht’s irgendwie los.

“Hallo, ich schreibe gerade meine Meisterarbeit…”

Gespräch an einem Stand

Überall, wo wir hingehen, empfängt man uns super freundlich – Fragen zu Kulturführungen werden ausführlich beantwortet, passende AnsprechpartnerInnen dazugeholt und Kontakte geknüpft. Man vernetzt sich ohne viel Drumrum für Praktika und an einigen Ständen bekommt man sogar das eine oder andere Jobangebot gleich obendrauf. Schneller als man gucken kann, ist der erste Tag schon vorbei. Wir treffen uns wieder bei der LWG, wo wir uns über die letzten Stunden austauschen und brechen zur Unterkunft auf.

Voller Tatendrang stehen wir am Freitag pünktlich 9 Uhr wieder auf der Messe. Nun wollen wir Stände anschauen, die am Vortag noch zu kurz gekommen sind.

Zufällig lernen wir von einem komplett abbaubaren Topf aus Lederabfällen der Firma AVEMA: aus Kollagen bestehend, ist er tauglich für Biobetriebe. Und beim Abbau über 15 Wochen setzt er Stickstoff für die Pflanze frei. Wir sind auf jeden Fall gespannt auf die weitere Entwicklung. Besonders beeindruckte uns auch das Paper Pot-System von Selecta. Letztes Jahr auf der IPM vorgestellt, ist es seitdem bereits an vielen Kulturen erfolgreich getestet worden. Auf Augenhöhe werden unsere Fragen zu Bewässerung, Bewurzelung und Krankheitsanfälligkeit diskutiert und unsere Gedankenspiele ernst genommen. Sehr lehrreich, sich über so einen Gamechanger für die Zierpflanzenproduktion auszutauschen.

Ein echtes Highlight wird für uns außerdem die Speed-Learning-Tour der Junggärtner Deutschland. Mit einem Gewinnspiel, klar markierten Infopoints und der Mission, an vielen Ständen Stempel zu sammeln, fällt es auch schüchternen BesucherInnen leicht, ins Gespräch zu kommen. Aus dem Pflichtkontakt mit den AnsprechpartnerInnen werden ganz organisch spannende Unterhaltungen, die sonst wahrscheinlich nicht zustande kämen. Ich wäre wohl an vielen Ständen doof glotzend und zu nervös vorbeigelaufen. Aber so lernen wir beispielsweise über einen KI-gestützten App-Assistenten der TASPO oder die Geschichte der Pflanzenstärkungsmittel von Mack, die sogar im Eden Project in Cornwall eingesetzt werden, und das seit dreißig Jahren. Verrückt.

Speed-Learning-Tour Flyer, beidseitig

Dann schnappt man sich hier noch einen schicken Jutebeutel und dort einen Kugelschreiber…. ist das ein 10L-Eimer beim BZL? Darf ich den haben? Oh, Ihre Infobroschüre zu Kultursubstraten und deren Zusammensetzung habe ich für die Schule heruntergeladen, wie cool!

So gehen zwei sehr aufregende Tage zu Ende. Wir sind erschöpft, aber erfüllt. So viele Leute zu treffen, die dem Gartenbau verschrieben sind, ist eine sehr inspirierende Sache.

Man sammelt neue Eindrücke, neue Stoffbeutel, knüpft Kontakte, tauscht Erfahrungen aus und kann die neueste Technik hautnah im Einsatz sehen. Und ganz nebenbei erweitert man die eigenen Vorstellungen davon, wohin der berufliche Weg nach der Meister- oder Technikerschule führen kann.

Und so einfach und in so guter Gesellschaft wie im Rahmen der Meisterausbildung in Veitshöchheim kommt man wohl selten zur IPM nach Essen. Mein Fazit: absolute Empfehlung, auch wenn ich noch ein paar Tage brauche, um alles zu verarbeiten und mich komplett zu erholen.

Kakteen- und Sukkulentenwand

Kris Müller, G1z

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