15.September:  Lasset den Spaß beginnen

Montagmorgen, 06:00 Uhr. Irgendwo auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover. Ich sitze im Wagen gen Süden. Irgendetwas zwischen Müdigkeit und Aufregung lässt mich die Kilometer nach Veitshöchheim fressen. Als Nordlicht soll es ab morgen endlich in der Meisterschule losgehen.

In meinem Kopf schwirren so viele Gedanken: wie sind wohl die neuen Mitschüler, was für Lehrkräfte erwarten mich neben Klaus Körber, von dem ich im Vorhinein schon viel gehört und gelesen habe und wie wird das Leben im Wohnheim für ein Nesthäkchen wie mich wohl?

Nach einigen Stunden Fahrt und ein paar kürzeren Pausen endlich das entscheidende Straßenschild. Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim. Ich parke mein Auto, erspähe direkt andere vermutlich Mitstudierende und begebe mich zur ausgeschilderten Schlüsselausgabe. Im Vorhinein hatte ich mich im Blog bereits eingelesen. Frühes Kommen sichert beste Zimmer mit Balkon und Ausblick auf das Tal. Das klingt für einen Norddeutschen wie mich, der ausschließlich das flache Land kennt, spannend und genau richtig. Bei der Schlüsselausgabe sagt mir die Angestellte der LWG, dass ich Glück habe und rechtzeitig da bin für ein Zimmer mit Blick aufs Tal und einem kleinen Balkon.

Nach einer kurzen Besichtigung und Führung durch die wichtigsten Wohnheim-Räumlichkeiten, stehe ich nun also allein und etwas hilflos in meinem Zimmer. Hier sagt keiner Moin, ich kenne keinen und wie soll ich denn nun den ersten Tag verbringen? Also ziehe ich los, um meine Sachen aus dem Auto zu holen und mein Zimmer einzurichten. Und ich nehme mir fest vor, jetzt spreche ich den Nächsten mit Umzugskartons im Arm einfach an. Kaum das Auto vor der Tür geparkt, kommt mir doch tatsächlich jemand entgegen. Ich nehme allen Mut zusammen, halte auf seiner Höhe an und stottere verlegen: „Moin“. Überrascht erwidert er mein Moin und fragt, wo ich herkomme. Nach kurzem Austausch, die Ernüchterung. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er Galabauer und kein Baumschulgärtner ist. Nun gut, mit dem Score von einem ersten Gespräch geht’s also weiter. Die nächste Ernüchterung, beim Hereintragen meiner Habseligkeiten in den Gang schallt mir ein Servus entgegen, auch wieder ein Galabauer. Langsam zweifel ich, ob ich heute noch einen Produktionsgärtner treffe. Nun gut, ich muss mir was anderes überlegen. Also kurz auf die Uhr geschaut und gesehen, dass die Mensa fürs Mittagessen geöffnet hat. Das ist meine Chance! Also schnell das Zimmer abgeschlossen, das Auto auf den Parkplatz gebracht, natürlich noch einen Galabauer kennengelernt (…Alter, die sind ja überall) und ab Richtung Mensa. Tablett geschnappt, Essen ausgesucht und einen kurzen Blick in den Essenssaal gewagt. Hm, mehrere Tische mit je 2 Leuten besetzt, an einem sitzen die drei Galabauer, mit denen ich mich bereits unterhalten habe. Aber ich will nun endlich auch mal jemanden aus meiner Klasse kennenlernen. Und da fällt mein Blick auf einen Tisch, an dem ein junger Typ allein sitzt. Erscheinungsbild: Galabauer, aber es ist meine einzige Möglichkeit ein Gespräch anzuleiern. Also, ich atme einmal durch, nehme meinen Mut zusammen und gehe zu ihm an den Tisch. „Servus, darf ich mich dazu setzen und wenn ja, aus welcher Fachrichtung kommst du?“, höre ich mich sagen.

Kurze Stille, dann kam die Antwort, die ich mir den ganzen Vormittag schon erträumt hatte: „Ja klar, setz dich. Ich bin Til und mache meinen Baumschultechniker.“ In mir ein kleiner Freudenschrei. Endlich! Ich habe endlich jemanden aus meiner Klasse getroffen. Ein kurzweiliges Mittagessen später, ziehen wir gemeinsam über den Campus und lernen unser neues Zuhause kennen. Ein kurzer Ausflug ins Veitshöchheimer Zentrum entpuppt sich zum endgültigen Durchbruch. Unsere Runde erweitert sich um 5 weitere Mitschüler und plötzlich sitzt unser zukünftiger Fachlehrer mit uns im Café und erfreut sich an unserer großen Klasse. Schnell wird klar, wie sehr sich alle auf die kommende Zeit freuen und auch die Lehrkräfte absolut motiviert in das neue Jahr gehen. Der Nachmittag vergeht wie im Flug. Ruckzuck sitzen wir beim Abendbrot wieder in der Mensa, sind bereits per WhatsApp-Gruppe miteinander verbunden und lassen den Abend beim Tischtennis im Aquarium (Aufenthaltsraum) ausklingen. Abends liege ich wesentlich entspannter als morgens noch angenommen im Wohnheimbett und freue mich auf alles, was kommt.

Jonas, G1b 2025

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