Unser Praktikum in Edinburgh, pt 1

Arright lads, es ist Sommerpause an der LWG und endlich zeit fürs Praktikum. Das ist Pflicht für alle Technikerinnen und Techniker, also alle die zwei Jahre in Ausbildung sind: Zum Glück! Mein Klassen-Compagnon Nils und ich freuen uns schon lange darauf, denn wir fliegen nach Edinburgh. Und das Praktikum verspricht eine spannende und nicht ganz so kopflastige Zeit zu werden. Das klingt – nach dem intensiven ersten Schuljahr – eigentlich sehr verlockend…

Erstmal ankommen

In Edinburgh findet man sich ziemlich schnell zurecht und die hiesigen Schottinnen und Schotten sind freundlich und hilfsbereit. Nach der Landung picke ich mir also die zweit bis drittbeste Buslinie heraus – Tagesticket 4 £ – und hoffe das ich einigermassen auf Kurs bin. Im strömenden Regen dieses Samstagabends wirkt der Verkehr am Bahnhof (Haltestelle Waverly Place) etwa so aufgeräumt wie ein Haufen Mikadostäbchen. Und die Nummer 34 quetscht sich energisch in die Blechlawine. Der Doppeldecker-Bus kurvt denn auch mit halsbrecherischer Gelassenheit von A nach B. Vom Oberdeck spähe ich gen Osten – nach Leith hin – wo ich meine Unterkunft vermute. Und ich finde sie tatsächlich: Hello Edinburgh!

Blick vom Calton Hill: Schirmtragend, mein Mitpraktikant

Am ersten Sonntag spazieren wir durch die wunderschöne Stadt: Salzwasser und Whiskey strömen durch die Adern Edinburghs. Ziemlich mittig liegt das Castle, von dessen Mauern wir eine verträumte Aussicht geniessen. Von hier oben machen wir dutzende von Kathedralen aus und tauchen in die Geschichte der Stadt ein.

Blick vom Castle, hinaus nach Edinburgh

Einen ersten Eindruck vom Botanischen Garten verschaffen wir uns natürlich auch: Dieser begeistert uns sofort. Die gepflegte Anlage wurde liebevoll gestaltet und achtsam angelegt. Man spürt halt schnell, dass man nicht mehr auf dem Kontinent ist. Dafür sorgen die Briten, deren Handschrift in solchen Gärten besonders ausgeprägt ist. Dementsprechend freuen wir uns auf den ersten Arbeitstag!

Schottische Finesse

The Royal Botanic Garden Edinburgh

Arbeitsbeginn: Montagmorgen, halb zehn. Feierabend: 15:50. Mit diesen sozioökonomisch herausragenden Arbeitszeiten müssen wir dann wohl leben… Früher kommen ist aber erlaubt. Wie gut es sich anfühlt, willkommen zu sein: Das erleben wir fürwahr. Und zwar von Seiten aller Mitarbeitenden des Gartens, die spürbar an Praktikanten gewöhnt sind. Dementsprechend ist die Atmosphäre kollegial und ungezwungen. Und die stressabweisende Arbeitsmentslität ist noch das Sahnehäubchen auf dem Wohlfühlkuchen.

Farnhaus im RBGE

Die ersten drei Wochen arbeitet Nils in den Glashäusern und hat vorallem mit Farnen zu tun. Ich selbst bin draussen tätig, bei der Stauden-Abteilung. Und es ist zum geniessen: Wer auch nur ein Miligram an botanischem Interesse aufbringen kann, Edinburgh ist THE PLACE! Und die Arbeiten, die hier anfallen, sind einzigartig: Weil der Garten das auch ist. Natürlich müssen wir auch hier mal Jäten oder Wischen, aber diese Momente bieten wiederum die Gelegenheit zum kulturellen Austausch. An die archaisch rollende Subspecies der englischen Sprache – wie sie in Schottland gesprochen wird – muss man sich zwar erstmal gewöhnen: Aber umso grösser ist der Lerneffekt. Ich habe Spass an den Gesprächen und konnte sogar schon erklären wann es: “around the sausage” geht. Diese Ungezwungenheit erleichtert und versüsst uns den Alltag.

Getting in touch

Damit habe ich jetzt wirklich nicht gerechnet: Das Herbaceous-Department fährt am Dienstag auf Exkursion und ich darf auch mit. Nice! Und wohin fahren wir? Über die Grenze nach England. Was tun wir da? Einen Garten angucken natürlich! Also eine grossartige Gelegenheit um mein Team zu “beschnuppern”.

Cragside, Northumberland: Ziel unserer Exkursion

Auch für den Rest der Woche lernen wir die neue Umgebung kennen: Wir sehen uns Pubs an, laufen ans Meer, besuchen hie und da eine Bar, gehen ins Museum oder auch mal in ein Pub. Mein persönliches Highlight ist das Geologie-Erlebnis der Dynamic Earth Experience: Die beiden Schotten Charles Lyell und James Hutton, letzterer in Edinburgh geboren, gelten nämlich als Mitbegründer der modernen Geologie. Durch ihr Wirken inspiriert, haben sich die Edinburgher was einfallen lassen.

Das “rockt”: Geologie-Erlebnis / Dynamic Earth
Photo by: Konheiser Fotografie

Unsere erste Woche in Edinburgh war ein voller Erfolg: Tolle Menschen, tolle Stadt und viel Kultur. Wir hoffen das es in der Form weitergeht!

Simon
Baumschuler von Herzen, Gestalter aus Leidenschaft. Die Ursprünglichkeit ist mir wichtig, sie ist die Sprache der Natur. Aus ihrer Wildheit sprießen Ideen von Symbiose und tiefer Neugier, die wir verstehen wollen. Integrität gegenüber der lebendigen, vielfältigen Pflanzenwelt soll erlernt und gelebt werden. Darin Wurzelt echter Erfolg.
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Ein Gedanke zu „Unser Praktikum in Edinburgh, pt 1

  1. Herzliche Grüße nach Schottland!
    Uns an der LWG hat der Alltag wieder.
    In dieser Woche sind die Baumschullehrlinge aus ganz Bayern mit dem Schwerpunkt “Beraten und Verkaufen” an der Landesanstalt. Gleich heute geht es los mit “Social Media”
    Da werde ich den Jungen Gärtnern gleich diesen Artikel zeigen, damit sie wissen, warum es sich lohnt, Techniker zu werden!

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